Witas - Wildtier und Artenschutz e.V Saar

Hausgemacht
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Jäger geben zu: Wildschwein-Problem ist jägergemacht


Rechtzeitig zur Jagdsaison sind sie wieder da, die vielen Meldungen in der Presse: Eine explosionsartige Vermehrung von Wildschweinen bedrohe die Landwirtschaft. Wildschwein-Horden würden unsere Städte und Dörfer heimsuchen. Der Straßenverkehr sei gefährdet durch Wildschweine auf der Fahrbahn... Ein nahezu apokalyptisches Bild wird da gezeichnet. Wie gut, dass es die Jäger gibt, unsere Retter in der Not. - Aber Moment mal: Wird da nicht der Bock zum Gärtner gemacht? Warum ist denn die Sozialstruktur der Wildschweine so aus den Fugen geraten?

Norbert Happ, der bekannteste Wildschweinkenner in Deutschland - selber Jäger - ist überzeugt: Die Nachwuchsschwemme ist hausgemacht! Denn für die explosionsartige Vermehrung der Wildschweine seien die Jäger selbst verantwortlich: »Ungeordnete Sozialverhältnisse im Schwarzwildbestand mit unkoordiniertem Frischen und Rauschen und unkontrollierbarer Kindervermehrung sind ausschließlich der Jagdausübung anzulasten«, so Happ (in der Jägerzeitung »Wild und Hund«, 23/2002). Die Sozialstruktur der Tiere wird regelrecht zerschossen!

Wildschweinschwemme »hausgemacht«:
Jagd führt zur Vermehrung der Wildschweine

Mutter Natur hat eigentlich alles hervorragend geregelt: Erfahrene weibliche Wildschweine, die Leitbachen, sorgen für Ordnung und Geburtenkontrolle innerhalb der Rotte. Die Hormone der Leitbachen bestimmen die Empfängnisbereitschaft aller Weibchen der Gruppe und verhindern, dass zu junge Tiere befruchtet werden. Männliche Tiere (Keiler) statten den Rotten nur Besuche zur Paarung ab. Fehlen die Leitbachen, weil sie von Jägern getötet wurden, löst sich die Sozialstruktur auf: Führungslose Wildschweine brechen in Gärten und Felder ein - es kommt zu den so genannten »Wildschäden«, über die sich die Bauern allerorts beklagen. Und: Junge Bachen sind schon unter einem Jahr empfängnisbereit und bekommen Frischlinge. Während früher Wildschweine einmal im Jahr Nachwuchs bekamen, gibt es jetzt dreimal im Jahr Junge. Folge davon ist eine explosionsartige Vermehrung!

Unmengen Futter

Weil Jäger gerne Wildschweine schießen, diese Tiere aber in der Regel schlauer sind, versuchen die Jäger Wildschweine mit Futter anzulocken, um sie vor die Flinte zu bekommen. Diesen »Trick« nennt der Jäger »Kirrung«. Und weil Jäger gerne viele Tiere vor die Flinte bekommen möchten, sorgen sie für die Vermehrung der Wildschweine - und so wird so manche Kirrung eine ganz ordentliche Futterstelle...
Die Jägerlobby sorgt dafür, dass in vielen Bundesländern diese Zufütterungen erlaubt sind bzw. die Mengenangaben für eine Kirrung so diffus sind, dass kaum ein Jäger belangt werden kann und flächendeckende Kontrollen kaum durchführbar sind. Die Wildforschungsstelle Aulendorf ermittelte, dass allein in Baden-Württemberg jährlich 4000 Tonnen Mais als »Kirrung« ausgebracht werden - das sind für ein erlegtes Wildschwein im Schnitt etwa 100 Kilo (!) Mais - in manchen Revieren sogar über 400 Kilo! Hinzu kommen die Fütterung mit Kraftfutter im Winter, die noch mal in ähnlicher Größenordnung liegen dürfte - und die vielen illegalen Fütterungen, die Naturschützer und Jagdgegner immer wieder aufdecken und zur Anzeige bringen. Gerade die Fütterung mit Mais fördert wegen seines sehr hohen Stärkeanteils (im Gegensatz zur natürlichen Nahrung) die Fruchtbarkeit der Bachen - und kurbelt damit die Vermehrung der Wildschweine an. Selbstverständlich sind die Jäger gerne bereit, die von ihnen verursachte Nachwuchsschwemme zu dezimieren...

Jäger geraten immer mehr in die Kritik - und müssen ihr blutiges Hobby rechtfertigen

Die Jagd ist heute ein Hobby, ein Freizeitvergnügen - in den einschlägigen Jagdzeitschriften geben die Jäger ihre »Lust am Töten« und »Freude am Beutemachen« inzwischen offen zu. Doch dieses Lust-Töten lehnt die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung heute ab. Repräsentative Umfragen der letzten Jahre zeigen übereinstimmend: 70-80% der Deutschen stehen der Jagd kritisch gegenüber oder fordern sogar die Abschaffung der Jagd (Quellen: GEWIS-Institut 1996; GEWIS-Institut 2002; EMNID-Institut 2003, EMNID-Institut 2004). Und darum verbrämen die Jäger ihr blutiges Hobby in der Öffentlichkeit und behaupten, Jagd sei notwendig, weil sonst die Wildschweine alle Felder verwüsten und die Rehe den Wald auffressen würden...

 

 

 

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