| Reh-Sika-Rot und Damwild- |
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Rehwild
Capreolus capreolus, auch als Europäisches Reh bezeichnet, ist die kleinste und häufigste Hirschart unseres Kontinents. Sie ist auch in Deutschland weit verbreitet. Man findet die Tiere im nördlichen Eurasien sowie im Osten bis Tibet, China und Korea. Im Hohen Norden freilich ist Capreolus capreolus nicht vertreten. Das größere und mit einem kräftigeren Geweih ausgestattete Sibirische Reh (Capreolus pygargus) wird wissenschaftlich als eigene Art geführt. Wälder mit vielfältigem Unterwuchs und Lichtungen sowie Wiesen und Felder bezeichnen den Lebensraum der eleganten, flinken Tiere. Im Gebirge dringt das Reh bis zur Baumgrenze vor. Rehe sind Vegetarier und ernähren sich von Blättern, Trieben, Gräsern, Kräutern, Feldfrüchten, Eicheln, Bucheckern, Pilzen und Beeren. Der Kulturfolger lebt vorwiegend dämmerungsaktiv, einzeln, paarweise oder im Familienverband. Letzterer wird als Sprung bezeichnet und besteht im Regelfall aus mehreren Geißen (Ricken) und ihrem Nachwuchs. Größere Sprünge sind im Herbst und Winter auf den Feldern zu beobachten. Außerhalb der Brunft leben die Böcke als Einzelgänger mit ausgeprägtem Territorialverhalten, die regelmäßig ihre Duftmarken setzen. Ausgewachsene männliche Tiere erreichen ein Lebendgewicht von bis zu 30 Kilo. Rehe weisen eine Kopfrumpflänge von 100 bis 140 und eine Schulterhöhe von 60 bis 90 Zentimetern auf. Die Lebenserwartung beträgt bis zu 15 Jahre. Am Hinterteil befindet sich ein heller Fleck, der Spiegel genannt wird. Der Spiegel ist im Winter weiß, im Sommer leicht gelblich. Die unbehaarte Schnauze ist schwarz, seitlich sind weiße Lippenflecke zu beobachten. Das Sommerfell ist dünner und farbenfroher und weist eine gelblich-rote Grundfärbung auf, während das eher unscheinbare Winterkleid graubraun ist. Im April/Mai sowie im September/Oktober finden die Haarwechsel statt. Im Herbst, üblicherweise im Oktober oder November, wirft der Bock sein Gehörn aus Knochensubstanz ab, das rasch neu zu wachsen beginnt. Ein voll entwickeltes Geweih weist drei bis vier Enden auf. Das häufige Reiben des Gehörns an Bäumen im Frühjahr dient der Entfernung der Nährhaut (Bast) sowie auch der Reviermarkierung. Man spricht in diesem Zusammenhang von der Fegezeit. Der Unterkiefer gewährt Aufschluß über das Geschlecht, da Grat und Winkelfortsatz beim männlichen Reh deutlich stärker ausgebildet sind als beim weiblichen Tier. Die Tragzeit ist erstaunlich lang und beträgt etwa 40 Wochen. Im Mai und Juni erblicken die Jungen das Licht der Welt. Ein normaler Wurf besteht aus ein bis höchstens zwei Kitzen, die zwei bis drei Monate gesäugt werden. Rehkitze sind besonders hübsch anzusehen aufgrund ihres gefleckten Tarnkleides, mit dem sie sich der Umgebung anpassen. Die weißen Tupfen verschwinden aber bis zum Herbst. Gegen Ende des ersten Lebensjahres sind die Tiere selbständig, die Geschlechtsreife erfolgt im zweiten Jahr. Wie auch bei anderen Bewohnern deckungsreicher Gebiete sind beim Reh Gehör- und Geruchssinn extrem gut ausgebildet, während das Sehvermögen eingeschränkt ist. Rehe nehmen optisch in erster Linie starke Hell-Dunkel-Kontraste und Bewegungen wahr. Die Tiere sind keineswegs stumm, auch wenn wir sie eher selten hören. Die Laute der Ricken lassen sich als Fiepen charakterisieren, während die Böcke in der Brunftzeit (Juli/August) sogar zu einem kurzen, kräftigen Bellen fähig sind. Wer diese markanten Laute erstmalig vernimmt, vermutet als Urheber nicht selten zunächst einen Hund. In den kälteren Jahreszeiten schließen sich die Tiere, wie bereits erwähnt, zu größeren Rehfamilien zusammen, die sich spätestens zu Frühjahrsbeginn nach und nach auflösen. Die scheuen Tiere werden dann wieder zu Einzelgängern. In der Wetterau etwa, zwischen den Dörfern Dorheim und Melbach in der Nähe von Friedberg, kann man Jahr für Jahr zwischen Ende November und Anfang April in einem großen Talkessel und an den ihn umgebenden Hängen mehr als 100 Rehe beobachten. Tagsüber splitten sie sich zumeist in drei Großgruppen von je etwa 35 Tieren auf, die sich über das großflächige Areal verteilen. In den frühen Abendstunden vereinigen sie sich oft zu einem einzigen riesigen Sprung, ein wahrlich gigantischer Anblick. In den Großgruppen scheint eine feste Struktur mit Aufgabenteilung vorzuherrschen. Einzelne Tiere an den Rändern sondieren ständig das Terrain und geben den ruhenden und äsenden Rehen im Zentrum unverzüglich Warnsignale, wenn Gefahr droht. Das Reh unterliegt als sogenanntes Schalenwild dem Jagdrecht. Rehe spielen seit alters her eine große Rolle in der Jagd und als Faktor der menschlichen Ernährung. Der Kulturfolger Capreolus capreolus ist freilich auch eine der elegantesten, anmutigsten heimischen Tierarten. Aus seiner Beobachtung in der Naturlandschaft können wir vieles zum Thema Verhaltensforschung lernen. Rehe lediglich als Jagdobjekte zu betrachten, wäre eine engstirnige Sichtweise und würde diesen scheuen, feinnervigen und wieselflinken Wildtieren mitnichten gerecht. Literatur
Rotwild
Rothirsche sind die mächtigsten und größten Tiere unserer Wälder. Die Körperlänge kann über zwei Meter betragen, die Körperhöhe 1,50 m. Ein alter, stattlicher und kapitaler Hirsch kann ein Gewicht von über 300 kg erreichen. Das durchschnittliche Gewicht ist allerdings deutlich niedriger und beträgt für fünfjährige Hirsche etwa 110 kg. Das auffälligste und imponierendste Merkmal des Hirsches ist jedoch sein Geweih. Solange das Geweih sich im Wachstum befindet, kann der Rothirsch es allerdings gar nicht verwenden, weil es viel zu weich ist. Es dauert nur etwa hundert Tage vom Wachstumsbeginn an, bis das neue Geweih seine endgültige Größe hat. Das Geweih besteht aus abgestorbenen Knochen und wiegt bis ungefähr 15 Kilogramm. Nach der Brunftzeit wirft der Hirsch sein Geweih wieder ab, um im nächsten Jahr ein neues zu bekommen. Rothirsche können circa 17-20 Jahre alt werden. Noch älter werden sie auch in Gefangenschaft nur sehr selten. Natürliche Feinde haben Rothirsche in unseren Wäldern kaum noch, weil Wolf, Bär und Luchs mehr oder weniger ausgestorben sind. So muss der Mensch die Regulierung des Rothirsches übernehmen. Etwa 30.000 Rothirsche werden in Deutschlands Wälder jährlich erlegt. Insgesamt leben schätzungsweise 100.000 Rothirsche in ihnen. Auf der Suche nach Nahrung durchwandert der Rothirsch unsere Wälder. Er muss sich sehr vielseitig ernähren, um sein prächtiges Geweih ausbilden und um die anstrengende Brunftzeit überstehen zu können. Doch unsere Wälder sind eintönig geworden und zerstückelt, von Straßen zerschnitten; überall hindern Zäune und Skipisten den Rothirsch am Weiterwandern. Den Winter verbrachten Rothirsche früher in den Flussauen, um dort das weiche Holz der Weiden zu fressen. Die Flussauen sind heute von Menschen besiedelt und stehen dem Rothirsch für seine Ernährung nicht mehr zur Verfügung. Obwohl jedoch das Nahrungsangebot immer schlechter geworden ist, gibt es heuet durch die gute Hege der Jäger so viele Hirsche in unseren Wäldern wie niemals zuvor. Man schätzt, dass es zehnmal so viele sind wie vor hundert Jahren.Weil das Nahrungsangebot in der freien Wildbahn nicht ausreicht, müssen die Tiere im Winter vom Menschen gefüttert werden. Sonst können sie die kalte Jahreszeit nicht überstehen. Hungernde Hirsche reißen zudem die Rinde von den Bäumen und fressen sie auf. Diese schwere Kost kann der Rothirsch verdauen und verwerten, weil er ein besonders leistungsfähiges Verdauungssystem hat. Dem Wald wird aber großer Schaden zugefügt, weil die Bäume faulen oder sogar absterben können.Die Brunftzeit der Rothirsche beginnt etwa Ende September. Weithin ist dann das Röhren der männlichen Hirsche, das eine Kampfansage an Rivalen darstellt, zu hören. Einen guten Monat später kehrt wieder Ruhe ein. In der Zwischenzeit fressen die Platzhirsche kaum etwas. Zwischen etwa gleich starken Hirschen kann es echte Kämpfe um die Hirschkühe geben. Die weiblichen Hirsche bringen die Jungtiere nach einer Trächtigkeit von rund acht Monaten zur Welt. Bei der Geburt wiegen diese rund 10 kg.
Damwild
Vor der letzten Eiszeit war der Damhirsch in Mitteleuropa einheimisch, aber dann wurde er in südlichere Gefilde verdrängt und kam nur noch in Kleinasien vor. Doch schon die Römer bürgerten den Damhirsch in allen Ländern des Mittelmeers wieder ein. Später brachten sie ihn auch ins heutige Deutschland. Heute ist der Damhirsch ein bekanntes Parkwild und kommt auch wieder an vielen Stellen in freier Wildbahn vor. Diese Vorkommen gehen fast immer auf Gatterwild zurück, das sich Adelige hielten. In Westfalen schätzt man den Gesamtbestand der Damhirsche auf etwa 2000 Tiere, wovon jedes Jahr etwa 600 geschossen werden. Seit Jahrhunderten werden Damhirsche von Menschen gehalten und gezüchtet, Neben den gefleckten Tieren treten auch Weißlinge, Schwärzlinge, Rötlinge und sogenannte porzellanfarbene Damhirsche auf. Früher zog man die seltenen Farbformen vor und züchtete sie besonders gern. In letzter Zeit halten immer mehr Landwirte Damhirsche zu Schlachtzwecken in mehr oder weniger großen Gehegen. Die Tiere sind in ihrer Ernährung anspruchsloser und genügsamer als Rothirsche. In freier Wildbahn konnte sich der Damhirsch halten, weil er genau so gut riechen und hören kann wie der Rothirsch und sogar noch viel besser sehen kann als dieser. Andere Hirsche können einen stillstehenden Menschen nicht erkennen, Damhirsche wohl. In freier Wildbahn sind Damhirsche sehr heimlich, scheu und misstrauisch. Das Damwild lebt in großen Rudeln, die aus weiblichen Tieren bestehen und deren Jungen. Die Hirsche leben in kleineren Männchentrupps. Sie haben im Unterschied zum Rothirsch ein geschaufeltes vielendiges Geweih. Mitte Oktober beginnt die Brunftzeit. Die Hirsche suchen nun die Weibchen auf und kämpfen untereinander um deren Gunst. Häufig krachen dabei die Schaufelgeweihe der männlichen Hirsche gegeneinander. Ernsthafte Verletzungen gibt es allerdings kaum. Die jungen Damhirsche kommen dann meist Anfang Juni zur Welt. Zwei Wochen liegen sie versteckt in dichtem Gebüsch und können in Ausnahmefällen einem Fuchs oder Wildschweinen zum Opfer fallen. Danach folgen die jungen Damhirsche ihren Müttern.Ausgewachsene Männchen sind für die meiste Zeit des Jahres Einzelgänger, während Weibchen und Jungtiere sich zu Verbänden von zwei bis zehn, selten fünfzig Tieren zusammenfinden. Im Frühherbst werden die Männchen territorial und beginnen, einen Harem von durchschnittlich zwölf Weibchen um sich zu sammeln. Gelangen andere Männchen in das Revier, werden sie vertrieben, wobei es zu heftigen Kämpfen kommen kann. Sikahirsche bevorzugen als Lebensraum dichte, unterholzreiche Wälder, doch kommen die anpassungsfähigen Tieren auch in Sumpf- und Graslandschaften vor. Sie äsen Kräuter, Blätter und Gräser, verzehren aber nicht so rohfaserige Kost wie etwa Rothirsche. Sikawild
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