Witas - Wildtier und Artenschutz e.V Saar

Wolf
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Wolfeswelpen

Arktische Wolfswelpen sind in unseren Wäldern nie zu Hause gewesen. Heute sind sie in Freigehegen oder zoologischen Anlagen auch in Deutschland zu sehen.

Wolf Bestie

Der europäische Wolf, zu finden von Portugal über Spanien, Italien, Frankreich der Schweiz dem Balkan bis nach Sibirien.
Und seit Ende der 90er Jahre auch in Sachsen, der Wolf ist zurück... und schon stehen die Jäger wieder Gewehr bei Fuß

Wolf Bestie

Wenn es ums Futter geht hört die Freundschaft auf. Instinktiv verteidigt auch ein niederer Wolf seine Beute gegenüber den Stärkeren.

Wolf Bestie


Positionspapier des Landesverbandes Sachsen e. V.
Wölfe in Sachsen

Problemstellung

Seit Ende der 90er Jahre gibt es in Sachsen wieder Wölfe, und zum ersten Mal seit ihrer Ausrottung erblickten in Deutschland sogar Wolfswelpen das Licht der Welt. Bei Naturschützern und -freunden hat die Tatsache, dass ein so sel-
tenes Tier wie der Wolf in unserer Landschaft eine Nische gefunden zu haben scheint, Freude ausgelöst. Der sächsische Umweltminister, Steffen Flath, nannte die Einwanderer aus Polen ein „Geschenk für Sachsen“. Doch obwohl der Wolf nach EU-Recht streng unter Schutz gestellt und die Rechtslage somit eindeutig ist, treten auch heftige Gegner auf den Plan. Sie organisieren sich sogar auf Vereinsbasis, sehen in den Wölfen vor allem Jagdkonkurrenten und fordern ihren Abschuss bis auf wenige Tiere. Das käme einer neuerlichen Ausrottung gleich.
Wölfe in Sachsen – sie sind allerdings für alle, vom Naturschützer bis zum Jä-
ger, ein Novum, und viele Reaktionen zeigen: Im Laufe von über hundert Jah-
ren Abwesenheit sind sie uns fremd geworden; der Umgang mit ihnen muss wieder gelernt werden.

Wölfe in Europa

Der Wolf ist das bekannteste heimische Raubtier und in West- und Mitteleu-
ropa seit dem 18. und 19. Jahrhundert nahezu ausgerottet. Restbestände exis-
tieren noch in Westeuropa, so in Portugal und Spanien, sowie in Süd- und Ost-
europa. Auch in Schweden und Norwegen gibt es wieder Wölfe. In Finnland und Estland waren sie nie verschwunden. Seit dem 14. Jahrhundert ist die ständige Präsenz von Wölfen auch in Sachsen schriftlich bezeugt, ebenso die Auseinandersetzung des Menschen mit ihnen.
Immer intensiver und wirkungsvoller wurden sie bekämpft und im Verlauf des 18. Jahrhunderts schließlich weitgehend ausgerottet. Es wanderten nur noch einzelne Tiere ein, denen ebenfalls konsequent nachgestellt wurde. Seit 1990 stehen die Wölfe im vereinten Deutschland unter strengem Schutz, seit 1992 genießen sie – von wenigen regionalen Ausnahmen abgesehen – höchsten Schutz auch in der Europäischen Union.

Wölfe kehren nach Sachsen zurück

Aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gibt es so gut wie keine Hinweise auf die Anwesenheit von Wölfen im Gebiet des heutigen Sachsen; 1904 wurde bei Hoyerswerda der letzte Wolf Deutschlands geschossen.* Erst nach dem 2. Weltkrieg konnten wieder vereinzelt aus Polen eingewanderte Tiere beobach-
tet werden, die man alle abgeschossen hat.
1998 wurden auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz zwei, im Jahr 2000 so-
gar sechs Wölfe von Revierförstern beobachtet, Eltern und Jungtiere. Seit dem zogen die beiden Elterntiere jedes Jahr Welpen auf, doch nach wie vor hängt die Zukunft der sächsischen Wölfe von diesen zwei erwachsenen Tieren auf dem Truppenübungsplatz in der Oberlausitz ab. Das Streifgebiet der sächsi-
schen Wölfe umfasst insgesamt eine Fläche von etwa 500 bis 600 Quadratki-
lometern.

Gebietsansprüche der Wölfe

Wölfe leben im Familienverband, dem Rudel, und beanspruchen große Revie-
re, wo sie vor allem größeres Wild (Rot- und Reh- und Schwarzwild) jagen. Aber auch Hasen, Kaninchen, Kleinsäuger und sogar pflanzliche Nahrung so-
wie Aas werden nicht verschmäht. Seine Beutetiere selektiert der Wolf nach Wehrhaftigkeit und Größe (Jungtiere, weibliche Tiere, alte, kranke, aber auch ungeschickte und reaktionsschwache Tiere) und sorgt für eine natürliche Aus-
lese. Wenn das Nahrungsangebot gering ist, sind die Wolfsreviere größer (bis zu mehreren 1000 km² pro Rudel), zum Beispiel hoch im Norden. In Polen um-
fassen sie Flächen zwischen 150 und 250 km², und auch in Sachsen geht man von Größen zwischen 200 und 300 km² pro Rudel aus. Studien in Osteu-
ropa zeigen, dass Wölfe ein Gebiet nicht „leerfressen“, und wo Schalenwild konzentriert vorhanden ist, sorgt der Wolf für eine bessere Verteilung des Wil-
des, was sich günstig auf den Wald auswirkt.

Der Wolf – ein Konkurrent der Jäger?

Die hohen Schalenwildbestände in Sachsen bieten den Wölfen eine sehr gün-
stige Nahrungsgrundlage (insbesondere des Schwarzwildes konnten die Jä-
ger bisher nicht Herr werden), und geeignete Lebensräume sind auch außer-
halb des Truppenübungsplatzes Oberlausitz vorhanden, so dass, wenn die Menschen es nur wollen, Wölfe hier heimisch bleiben können.
Es ist jedoch zu früh, um über vom Wolf verursachte Veränderungen im Wild-
bestand des sächsischen Wolfgebietes etwas sagen zu können. Dafür liegen noch viel zu wenig Daten vor. Doch beeinflusst die Anwesenheit der Wölfe sicherlich das Verhalten des Schalenwildes. Es wird unsteter, also für den Jä-
ger weniger kalkulierbar. Für einen Jäger, der seit 20 Jahren gewohnt ist, dass das Wild immer zur gleichen Zeit an einer bestimmten Stelle austritt, ist das eine neue Situation, auf welche die meisten Jäger vernünftig reagieren, insbe-
sondere jene, die nicht nur aus kommerziellen Gründen jagen und denen Wild und der Wald gleichermaßen am Herzen liegen.

Gefahr für Menschen und Haustiere?

Da Wölfe sehr vorsichtig sind und den Menschen gewöhnlich meiden, geht von ihnen kaum eine Gefahr für den Menschen aus. Selbstverständlich sind Wölfe Raubtiere, und niemand kann für jeden Wolf die Hand ins Feuer legen. Forschungen haben ergeben, dass es in den letzten 50 Jahren in Europa, wo insgesamt etwa 10 000 Wölfe leben, zu vier Todesfällen gekommen ist, deren nähere Umstände aber nicht eindeutig geklärt werden konnten. Von Nordame-
rika ist kein einziger Todesfall bekannt.
Dagegen gab es allein in Deutschland seit 1968 über 50 tödliche Beissunfälle durch Hunde, schwere Verletzungen nicht mit gerechnet.** Allerdings können Wölfe oder auch Hybriden, die in Gefangenschaft und nicht unter natürlichen Bedingungen leben, ebenso gefährlich sein wie Hunde.
Da die Wölfe in Ostsachsen ein reichhaltiges natürliches Nahrungsangebot finden, sind Konflikte mit Haustieren nur ausnahmsweise zu erwarten, aber nicht auszuschließen. Denn schließlich kann der Wolf nicht wissen, dass An-
griffe auf Schafe und Ziegen nicht „erlaubt“ sind. Schafhalter, denen durch Wöl-
fe Verluste entstehen, werden jedoch nach Prüfung der Sachlage entschädigt. Da Wölfe auf Grund nationaler und internationaler Rechtsvorschriften inner-
halb der Europäischen Union strengsten Schutz genießen, wird die Tötung ei-
nes Wolfes als Straftat verfolgt. Sollten jedoch Probleme auftreten, die auf an-
dere Weise nicht lösbar sind, ist es möglich, in Einzelfällen und mit Zustim-
mung der zuständigen Naturschutzbehörde einen Wolf aus der freien Natur zu entfernen.

Engagement für den Wolf

Nicht nur für ihre Gegner, auch für ihre Freunde sind die Wölfe in Sachsen et-
was Neues, und ein Monitoring über einen längeren Zeitraum wird nötig sein, um zu wissen, wie sich die Neulinge aus Polen in unsere Kulturlandschaft einpassen.
Seit Mitte 2002 ist in Sachsen das Wildbiologische Büro „Lupus“ aktiv. Es kon-
zentriert sich auf folgende Arbeitsschwerpunkte:

 

  • Monitoring (Spurensuche, Hinweisrecherche, radiotelemetrische Über-
    wachung von einzelnen Wölfen), um über die Entwicklung und eine eventuelle Ausbreitung des kleinen Bestandes auf dem laufenden zu bleiben.
  • Prävention von Verlusten an Haustieren. Beratung und Unterstützung der Schäfereien in und um das Wolfsgebiet, um Wolfsangriffe auf Haustiere möglichst von vornherein zu verhindern.
  • Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Die durch das Wolfsmanage-
    ment gesammelten Erfahrungen und Informationen sollen der ortsan-
    sässigen Bevölkerung, den Jägern, Landwirten und Behörden zur Ver-
    fügung gestellt und Ängsten und Vorurteilen mit Fakten und Fachwis-
    sen begegnet werden. Der NABU will die Zusammenarbeit mit diesem Büro ausbauen und dessen Tätigkeit unterstützen.
Ausblick: Der Wolf – eine Chance

Grundsätzlich unterscheidet den Wolf nichts von anderen in Sachsen gefähr-
deten, vom Aussterben bedrohten oder gar verschollenen Arten; ihr Status in der Roten Liste Sachsens ist ein deutliches und trauriges Indiz für negative Veränderungen in der Umwelt, die zunehmende Naturferne unserer Kultur-
landschaft und die der in ihr lebenden Menschen.
Doch während mit aufwendigen Projekten und Programmen versucht wird, zum Beispiel Lachs, Wanderfalke und Würfelnatter wieder anzusiedeln oder zumindest in Einzelexemplaren präsent zu halten, sind die Wölfe eigenmächtig ohne ein solches Programm gekommen und haben sich ganz von allein bei uns eingestellt. Das könnte ein Indiz für eine relativ intakte Natur in einer ver-
hältnismäßig gering besiedelten Landschaft sein, aber auch ein Beweis für die Lern- und Anpassungsfähigkeit des Wolfes. Darüber sollte man sich freu-
en und zugleich überlegen, wie Fachleute, Behörden, Jäger und die im Gebiet lebende Bevölkerung der Verantwortung, die sich daraus ergibt, gerecht wer-
den können. Die bereits begonnene Aufklärungsarbeit muss fortgesetzt wer-
den. Daran wird sich auch der NABU beteiligen.

Deshalb hat sich innerhalb des NABU im März 2004 die Arbeitsgruppe „Pro Wolf“ gebildet, die Informations- und Koordinationszwecke verfolgt und in der Debatte um den Wolf Sachlichkeit fördern will. Alle Interessenten sind aufge-
fordert, zu dieser Arbeitsgruppe Kontakt aufzunehmen.

Vor allem aber möchte der NABU dafür sorgen, dass in den Mittelpunkt der Auseinandersetzungen um den Wolf der Artenschutz gerückt wird. Wie bei an-
deren bedrohten Tierarten müssen auch für den Schutz des Wolfes und seiner Lebensräume wissenschaftliche Grundlagen zu einem Schutzprogramm und ein umfassender Katalog praktischer Maßnahmen erarbeitet und umgesetzt werden. Das wäre Angelegenheit der Naturschutzbehörden, der von ihnen be-
stellten Wissenschaftler und aller, die in Sachsen Verantwortung für die Natur tragen. Der NABU bietet seine Mithilfe an und unterstützt das bisherige Enga-
gement des sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft. Die Anwesenheit der Wölfe ist nicht – wie manche Wolfsgegner glauben machen wollen – eine Katastrophe; sie ist im Gegenteil eine Chance – eine der wenigen, die wir vielleicht in dieser Hinsicht noch haben werden.

Wir fordern ein, dass Entwicklungsländer die wirtschaftliche Nutzung der tropi-
schen Regenwälder – oft eine ihrer wenigen Einnahmequellen – einstellen und ihre Tierwelt in großen Reservaten schützen. Wir wollen weltweiten Arten-
schutz und möchten das reiche Deutschland doch lieber davon ausnehmen? Wir sollten uns selbst die Bereitschaft abverlangen, zugunsten der Bereiche-
rung unserer Natur einen vergleichsweise geringfügigen Kompromiss einzu-
gehen. Lassen wir den Wölfen ihre Ruhe, geben wir ihnen eine Chance.

 

 

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